Hier sehen Sie eine schematische Darstellung von unserem Grundstück. Die Grundstücksgröße beträgt ca 2ha, insgesamt leben hier im Moment 5 Pferde (und wir sehen, dass es nicht mehr sein sollten, das liegt aber v.a. an der Größe der Stallgebäude).

Wir haben versucht, die örtlichen Gegebenheiten auszunutzen und ein für die Pferde möglichst interessantes und bewegungsreiches Zuhause zu schaffen.

Sehen Sie, wie wir angefangen haben:



Hier sind wir der klassischen "Offenstall"- Idee gefolgt: man hat einen Stall (in unserem Fall zwei), davor legt man einen Paddock an. Punkt. Die Pferde wandern von einem Heuhaufen zum nächsten und legen dabei jeweils ca 50-80m Strecke zurück. 



Durch Jamie Jacksons Idee vom "Paddock Paradise" sind wir dann auf die Idee gekommen, den Pferden die Wege von einem Heuhaufen zum nächsten so weit wie möglich zu machen und das kam dabei heraus: 



Das bedeutet: wer vom Heu im Stall zum nächsten Heuhaufen möchte, muss den Umweg nehmen und einmal die Koppel umrunden (in unserem Fall ca 500m). Für die Pferde gibt es keinen direkten Weg mehr vom Stall zum im Bild linken Teil des Paddocks!  Vom Heu im Paddock zu der kleinen Box weiter oben, wo nur manchmal Heu liegt, sind es weitere 130m. Wer von der Box in den Ruheraum möchte, muss den Reitplatz umrunden - ca 140m. Wer vom Ruheraum zurück in den Stall möchte, muss den Weg um die Koppel nehmen - wieder 550m. So kommen schon ein paar Wege zusammen. Vor allem aber beobachten wir, dass die Pferde stets beschäftigt sind. Wenn sie nicht gerade den nächsten Heuhaufen suchen, knabbern sie am Knick, gehen zum Wasser oder spielen, machen Fellkraulen oder ein gemeinsames Nickerchen. Das sonst übliche "Herumgestehe" im Stall hat sich wesentlich reduziert. Im Stall haben wir ein Tor, dass automatisch aufgeht per Zeitschaltuhr. So haben die Pferde nachts um 4 Uhr Zugang zu einer weiteren Portion Heu und können auch tagsüber, wenn wir unterwegs sind, noch einmal Heu bekommen. Dieses Tor hat sich so bewährt, dass wir noch mindestens ein weiteres Tor bauen wollen um einen weiteren Heubereich zeitgesteuert öffnen zu können - diesmal im Paddock, also auf der anderen Seite....


Auf dem (weiten) Weg zum nächsten Heuhaufen


Der Rundweg hat eine geradezu magische Wirkung auf die Pferde und auch wir können uns dieser Wirkung nicht entziehen. Ein relativ schmaler, gerader Weg lädt dazu ein, einfach loszugehen. Auf einem schmalen Weg besteht auch die Möglichkeit, Hindernisse einzubauen, z.B. Äste auf den Boden zu legen oder auch mal einen dicken Baumstamm, den die Pferde überwinden müssen. Dies hat auch gleich den Vorteil, dass die Pferde Holz zum Knabbern haben, das je nach Jahreszeit gern angenommen wird.

Früher lief unser Rundweg einmal ganz um die Koppel. Das hat sich aber nicht bewährt, da sich auf dem alten Weg eine Senke befand, in der das Wasser fast das ganze Jahr stand und man knietief im Schlamm versank. Den Pferden war das zuwider und sie machten nur die nötigsten Wege. So haben wir unseren Weg so angelegt, dass er auf den höhergelegenen Teilen der Koppel verläuft. Selbst bei Regenwetter wenn es matschig wird versinkt man nun nicht mehr. Allerdings ist klar: besser ein matschiger Rundweg als gar kein Rundweg!


Unsere Pferde lieben den "Gänsemarsch". Anscheinend fühlen sie sich wohl und sicher in dieser Formation und die Reihenfolge wird fast immer eingehalten.

Wir beobachten häufig, dass die Pferde sich im Gänsemarsch auf den Weg machen. Uns scheint, dass dieses Verhalten (das ja in der Natur auch beobachtet wird) eine unheimlich beruhigende und entspannende Wirkung auf die Psyche der Pferde hat. Der Herdenzusammenhalt wird gefördert und Strukturen innerhalb der Herde werden deutlich. Auf dem Weg zeigt sich, wer der "wahre" Anführer ist, nämlich der, der weiß wo es langgeht!


Unser Weg ist an vielen Stellen recht schmal (2-3m) und ich werde oft gefragt, was denn passiert, wenn ein ranghöheres Pferd den Weg für die anderen blockiert. Dies ist kein Problem, denn selbst wenn das passiert (was relativ selten der Fall ist), löst sich der Stau spätestens dann auf, wenn der Ranghohe weitergeht - zum nächsten Heuhaufen! Wichtig ist nur, dass die Fressstellen genug Platz bieten und das Heu nicht so liegt, dass der erste der dort ankommt den Zugang für die anderen blockiert.

Je schmaler der Rundweg ist, desto weniger lädt er überhaupt erst zum Stehenbleiben ein! Unser Weg ist zum Gehen da, nicht zum parken. Einzig an der höchsten Stelle des Grundstücks, wo auch einige Bäume stehen, haben wir einen "Rastplatz" eingerichtet, der gerne genutzt wird. Die Pferde haben dort den Überblick und bei sonnigem Wetter ist der Platz trocken und leicht beschattet - wunderbar.


Was die Heuverteilung angeht, so versuchen wir, unzuverlässig zu sein. Mal liegt mehr Heu an der Box, mal mehr im Stall, mal im Paddock. So führt nicht jeder Weg die Pferde auch zum Erfolg, manchmal gehen sie auch einen Weg umsonst. Umso mehr laufen sie, weil sie immer die Hoffnung haben, etwas zu finden. Wir versuchen so, die natürliche Wanderung von einem Weidegrund zum anderen nachzuempfinden.

Und ganz besonders profitieren davon unsere Senioren, die vor der Errichtung des Rundgangs schonmal etwas steif waren - durch die dauernde Bewegung sind sie jetzt wieder fit und geschmeidig!


Natürlich haben wir noch 100 Ideen zur Verbesserung, aber alles muss auch gemacht und bezahlt werden und so wird es Ihnen auch ergehen. Wenn Sie sich aber einmal ein paar Gedanken machen, fällt Ihnen sicher ein, wie und wo auch Sie einen kleinen Weg errichten können für die Pferde. Der kleinste Umweg ist besser als gar keiner, und sei es nur, dass Sie das Wasser an eine andere Stelle stellen.

Denken Sie an den Grundsatz: kurze Wege für die Menschen, lange Wege für die Pferde.

Viel Spaß beim planen, bauen und vor allem beim anschließenden Pferde-beobachten!