Sehr oft können wir bei Pferden, die beim Hufschmied nicht stillstehen, eine deutliche Verbesserung des Verhaltens innerhalb von 15- 30 min erzielen - ohne das Pferd anzuschreien oder zu schlagen, nur dadurch dass wir ihm zuhören und uns ruhig aber bestimmt mitteilen.


Zum Beispiel bei Mira, eine schwer traumatisierte Ponystute, die es aufgrund ihrer schlechten Erfahrungen hasst, von Fremden angefasst zu werden. Ich bat sie, aufzuschreiben, was sie erlebt hat und hier ist ihre Geschichte:



Im Herbst 2003 kaufte ich eine Stute mit Schutzvertrag. Man hatte ein Rückenleiden nicht behandelt, sie aber weiterhin mittels roher Gewalt versucht als Reitpferd zu erhalten.

Als sie zu mir kam, war sie mehr als schwierig. Sie ließ sich nur eingeschränkt von Tierarzt und Hufschmied behandeln, begegnete man ihr mit einem Sattel über dem Arm, griff sie unvermittelt an. Beim Vorbesitzer schlug sie einen Tierarzt bewusstlos, der sie für den Hufschmied sedieren wollte. Manchmal ließ sie sich zumindest beim ersten Zusammentreffen die Vorderhufe machen. Kam der Schmied zum zweiten mal, rastete sie schon bei dessen Anblick aus. Ich gab ihr vorweg eine Ration Beruhigungsmittel. Eigentlich hätte ich selber auch eine gebraucht. Schon am Vorabend anstehender Hufpflegetermin wurde mir ganz anders. Mittlerweile war der Rücken meiner Stute dank Physiotherapie wieder ausgeheilt und schmerzfrei. Wir kamen sehr gut zurecht, mir gab sie die Hufe auf Stimmkommando gerne und freiwillig. Ich probierte es mit einer weiblichen Hufpflegerin, es lief eigentlich ganz gut. Meine Stute wurde während der gesamten Prozedur mit Möhren vollgestopft. Ich nahm die Hufe hoch und übergab sie dann der Hufpflegerin. Optimal benahm sich die Stute aber nicht und bekam dafür auch noch reichlich Belohnungen. So wurde es von mal zu mal wieder schlechter. Möhren ja- Hufe machen lassen nein danke.

Im Sommer 2009 hörte ich dann von einer anderen Einstellerin, dass ihre Hufpflegerin besonders im Umgang mit schwierigen Pferden auskenne. Ich sprach Lioba bei ihrem nächsten Termin im Stall an und erzählte ihr von meinen Problemen.

Beim ersten Treffen nahm sie sich sehr viel Zeit. Sie nahm meine Stute am Strick und bestand mit Ruhe auf die Behandlung der Hufe. Seither geht es gut, meine Stute glänzt derweilen sogar mit guter Laune während der Hufpflege. Für meinen eigenen Umgang mit ihr versuche ich Liobas Art zu übernehmen. So konnte ich noch unsere letzte Problemzone, das Aufsatteln, deutlich verbessern.

Seit fast einem Jahr pflegt Lioba nun die Hufe meiner Stute und ich bin sehr dankbar für den ruhigen Ablauf ohne Hilfsmittel wie Beruhigungspasten und Futter. Ich freue mich auf jeden Termin und hoffe noch viel über den Umgang mit „schwierigen“ Pferden von Lioba zu lernen.


Mira hat zu viel schlechtes erlebt um noch normal zu reagieren. Ihre Probleme beziehen sich nicht auf die Hufe, sondern auf Menschen generell. Wenn ich ihr die Hand auf die Schulter lege, legt sie sofort die Ohren an und droht mir mit der Hinterhand. Sie hat jedoch schnell verstanden, dass ich die Hand wegnehme, wenn sie es aushält und ruhig steht. So kamen wir innerhalb weniger Minuten dahin, dass wir die Hufe bearbeiten konnten. Bis Mira wirklich entspannt bleiben kann wird es sicher noch lange dauern, aber wir können die Hufe normal bearbeiten, wenn wir uns so verhalten, dass sie den Körperkontakt ertragen kann.

An Mira kann man gut sehen, dass Futter nicht geeignet ist, Probleme zu lösen. Futterbelohnung dient der Motivation, erzielt aber keine dauerhafte Verhaltensänderung, wenn das grundlegende Problem nicht beachtet wird.