Sehr oft können wir bei Pferden, die beim Hufschmied nicht stillstehen, eine duetliche Verbesserung des Verhaltens innerhalb von 15- 30 min erzielen - ohne das Pferd anzuschreien oder zu schlagen, nur dadurch dass wir ihm zuhören und uns ruhig aber bestimmt mitteilen.


Zum Beispiel bei Johny - ein belgisches Kaltblut. Seine Besitzerin mailte uns verzweifelt an, weil niemand in der Lage war seine Hufe zu bearbeiten. Ich bat sie, aufzuschreiben, was sie erlebt hat und hier ist ihre Geschichte:


Johny`s Huflebenslauf


Als Johny zu mir kam, war die Pyodermie (eine Erkrankung der Haut an den Beinen) gerade auf dem Höhepunkt. Diese Erkrankung hatte bei Johny starke Schmerzen ausgelöst. Ich kannte einen Hufschmied, den ich aber seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hatte und früher war er noch am Anfang der Ausbildung zum Hufschmied. Ich hatte mit ihm einen Termin zum Hufe machen vereinbart, da die Hufe dringend gemacht werden musste. Sein Lehrling, der den Aufhalter machte, war groß und stark, ein richtiger „Schrank“. Ich hatte dem Hufschmied gesagt, dass Johny ein großes Kaltblut ist. Um Johny aufzuhalten kam der Lehrling mit einer Schlinge aus Feuerwehrschlauch. Der schnürte sich in die Wülste, die durch die Erkrankung stark nässten. Johny hatte große Schmerzen und wehrte sich. Der Hufschmied wusste, das Johny was mit den Beinen hatte (zur der Zeit hatten wir noch einen Tierarzt, der keine Ahnung hatte, was meinem Pferd fehlte, es aber viel behandelte). Das Ende dieses Termins war, dass der Aufhalter trotz Handschuhen Blasen an den Händen hatte, und ich brauchte 3 Wochen bis Johny wieder so viel Vertrauen zu mir hatte, mir seine Hufe ohne Aufstand zu geben. Der Hufschmied kam 2x zu Johny. Beim letzten mal meinte er, dass er für Johny ein „Bolzenschussgerät braucht“ und weitere schwachsinnige Kommentare. Damit war sein Job erledigt!


Über einen Tipp hatte ich einen neuen Hufpfleger gefunden. Er hatte selber Kaltblüter und ich wurde Einsteller bei der Familie. Dummerweise hatte wir den Hufpfleger vorher nicht ausprobiert. Ich finde, dass er es wenig verstand, respektvoll mit dem Lebewesen Pferd umzugehen. Er trat Pferde mit Stahlkappenschuhen, schlug sie mit scharfen Hufraspeln und versuchte mit Seilen den Huf zu heben. All das machte er auch mit Johny. Er rastete regelmäßig aus und Johny blockierte (frei nach Kaltblutmentalität verriegelte er die Gelenke und machte die Ohren zu). Wir konnten froh sein, wenn er einen seiner Hufe wenigstens ausschneiden konnte. Wenn der Hufpfleger um Johny herum ging, sah man wie Johny sein gesamtes Gewicht auf die Seite verlagerte, auf der der Hufpfleger stand. Johny war klar, dass er stärker war. Der Hufpfleger lies es Johny auch immer wieder beweisen. Wenn Johny ihn reizte, dann schlug er mit der Raspel so sehr gegen Johnys Brust, dass sie blutete und ihm eine Träne kullerte. Er wollte mir dann untersagen zu Johny zu gehen. Das war der absolute Höhepunkt! Ab da war ich im Stall nur noch die, die ihr Pferd verhätschelt und falsch erzieht. Sobald dieser Hufpfleger in die Nähe kam, entwickelte Johny ein extrem hohe Anspannung. Langsam sahen die Hufe so schlimm aus, dass sie mehr als dringend gemacht werden mussten. Die zu der Zeit letzte Möglichkeit für den Hufpfleger war es, Johny vom Tierarzt (das war der TA, der Johny vernünftig behandelte und ihn, soweit möglich, gesund machte) ablegen lassen zu müssen. Der TA brauchte für Johny die doppelte Dosis um ihn in Narkose zu legen. Ich hatte so gelitten und es fiel mir so schwer stark zu bleiben um Johny zu loben. Es war zu viel! Johny lag und war so unruhig, die vielen Leute, die Männer, die auf Johny saßen, der Hufpfleger. Ich denke, dass ich nur wollte, dass Johny wieder aufstehen sollte. Und er merkte dies und erfüllte mir den Wunsch. Er stand nach 5 Minuten mit einer „Elefantennarkose“ auf und warf 5 Männer von sich! Ich war so erleichtert.


Ich hatte aber nicht das Gefühl, dass das so weiter gehen muss und informierte mich im Internet. Auf der Seite gesundehufe.com fand ich die Infos, die ich suchte. Ich schrieb Caro Liebner und sie brachte den Kontakt mit Lioba und Arnulf zustande.

Der erste Termin war atemberaubend. Lioba machte zu Beginn ein wenig Bodenarbeit mit Johny. Danach machte Arnulf innerhalb von 1 ½ Stunden alle 4 Hufe fertig!



Johny bei der Hufpflege (das nasse Fell kommt vom Regen)


Belohnung für geduldiges Stillstehen -man beachte die genüsslich langgestreckte Oberlippe



Johny war kein schwieriger Fall. Er war etwas respektlos aber zu keiner Zeit aggressiv. Er wusste dass er stärker ist als der Mensch und er war nicht gewillt, sich die Hufe machen zu lassen von jemandem, der ihn nicht mag und sich nicht klar ausdrückt. Es galt also, ihm zu zeigen dass wir es gut mit ihm meinen aber auch klarzustellen dass er uns nicht einfach übergehen kann (im wahrsten Sinne des Wortes). Auch hier kommt stets das "Prinzip Fliege" zum Einsatz, Kraft ist nicht nötig. Wir fordern von Johny Gehorsam, als Gegenleistung bieten wir z.B. an ihn zu kratzen (was er sehr liebt) und wir geben ihm ständig Rückmeldung, was wir gut finden und was nicht.

Zweimal war die Gerte nötig um ihm zu verbieten geradeaus über mich rüberzulaufen, danach hatte er verstanden und war bereit stehen zu bleiben. Was das Hufe geben anging war mit dem "Anklopfen" am Bein sofort alles gut, er hebt seine schweren Beine selbständig an und legt sie entspannt auf dem Bein des Menschen ab.

Derzeit mangelt es ihm noch etwas an Geduld und Balance aber er wird jedesmal ein bisschen besser damit.

Ein so schweres Pferd wie Johny zeigt einem gut die Grenzen von Krafteinsatz auf. Er wiegt wahrscheinlich fast das 20fache von dem was ich auf die Waage bringe! Ich bewundere den großen Kerl dafür, dass er bei aller Aggression, die ihm entgegengebracht wurde, selbst niemals "zurückgeschlagen" hat und sofort bereit war mit uns zu kooperieren, als er verstand dass wir anders sind.