Die Grundgedanken artgerechter Pferdehaltung sind mittlerweile gut bekannt:
Das Pferd hat sich über Millionen Jahre zum Steppentier entwickelt. Auch unser modernes Hauspferd ist immer noch darauf ausgelegt, langsam grasend über festen Boden zu wandern, ab und zu einen Spurt einzulegen oder ein längeres Stück im lockeren Trab zurückzulegen - z.B. zum Wasserloch. Auch unsere Pferde sind für hartes Steppengras mit hohem Raufasergehalt ausgelegt, von dem sie den ganzen Tag essen können (über den Tag verteilt 16-18 Stunden). Und auch unsere Pferde sind dafür ausgelegt, in der Herde draußen zu leben. Je nach Rasse gehören Pferde auf Moorwiesen oder in die Wüste und entsprechend sollten wir unseren Stall gestalten. Das gilt auch für die Platzverhältnisse: der Araber für trockenes Klima und größeren Individualabstand - also mehr Raum pro Pferd - während ein Norweger oder ein Shetty gerne "kuschelt" und ungemütliches Regen- Wind - Schnee - Wetter wunderbar aushalten kann. Ausnahmen bestätigen die Regel! Beobachten Sie Ihre Herde und Sie werden herausfinden, welches Pferd was mag. Oft bewirken schon kleine Veränderungen viel mehr, als man denkt.                                                                                         Huftechnisch gehört der Andalusier auf steiniges Gelände, der Holsteiner auf die feuchte Wiese. 

gemeinsames Schläfchen in der Sonne....


Natürlich bleibt das erstmal alles Theorie. Aber wenn wir es wissen können wir immer daran arbeiten es unseren Pferden so natürlich wie möglich zu machen.
Wir zum Beispiel haben überwiegend "Nordtypen" hier, die von Natur aus gerne Kalorien sparen, sich also wenig bewegen und dafür umso schneller Speck ansetzen. Dem wirken wir entgegen indem wir einen Rundlauf um die Koppel gebaut haben, so dass der Weg von der einen Seite des Paddocks zur anderen jetzt mehrere hundert Meter beträgt.

Also: Jedes Pferd braucht die Möglichkeit zur Bewegung. 24 Stunden am Tag. Und wenn es irgendwie geht braucht es auch die Möglichkeit zu fressen - 24 Stunden am Tag. Leider ist Heu satt oft nicht die Lösung, da unsere Pferde oft so leichtfuttrig und unser Heu so gehaltvoll ist dass die Tiere viel zu dick werden. Engmaschige Heunetze oder andere kreative Ideen sind gefragt.
Jedenfalls, das ist wissenschaftlich belegt, sollten die Fresspausen nicht länger sein als 4 Stunden sonst fängt der Magen an sich selbst zu verdauen und bekommt Geschwüre.

Kraulen und spielen sind wichtige Alltagsbeschäftigungen, die auch den Herdenzusammenhalt fördern



dabei kann es ruhig...



...auch mal etwas heftiger zugehen!



Das Gras auf unseren Weiden ist leider kaum als Pferdefutter geeignet. Es ist extrem gehaltvoll weil für Kühe gezüchtet. Am besten serviert man es in Form von spät (Juli-August) gemähtem Heu von Extensiv-Weiden. Weidegang ist gut für die Seele, sollte aber vom füttern her eher als "Schokolade" denn als "Basisversorgung" betrachtet werden, es sei denn man investiert viel Zeit und Geld in die Ansiedlung fruktanarmer Gräser. Wer sich dafür interessiert liest bei Frau Dr. Renate Vanselow mehr darüber.

Wenn wir diese Minimalbedingungen erfüllen werden die meisten Pferde ein gesundes und zufriedenes Leben führen können und uns mit Einsatzbereitschaft und guter Laune danken.