Wenn ich über die Pferdefütterung nachdenke, muss ich immer an ein Katzenbuch denken. Dort stand unter Fütterung: Katzen zu füttern ist ganz einfach. Geben Sie Ihrer Katze jeden Tag ein paar frische Mäuse und reichen Sie Wasser dazu.
So verhält es sich auch mit den Pferden, nur dass Sie keine Mäuse fangen müssen, sondern nur etwas Gras brauchen.
Und da gehts dann los! Denn Gras ist nicht gleich Gras. Die Gräser, die wir heute auf Wiesen und Weiden finden sind nicht die, die Pferde von Natur aus fressen. Die Gräser, die wir heute in Saatgutbeuteln kaufen und die Gräser, die wir unseren Pferden im Winter als Heu oder Heulage füttern, sind zum größten Teil Hochleistungsgräser, die für die Landwirtschaft gezüchtet wurden. Diese Zucht ist ausgerichtet auf möglichst hohe Erträge - an Silage, an Milch, an Fleisch.
Im Laufe der Zucht hat das Gras einige gute Eigenschaften entwickelt. Es ist widerstandsfähiger geworden gegen Dürre und Insekten und es ist reicher geworden an schnell verfügbarer Energie.
Unsere Pferde haben sich nicht so schnell verändert. Sie gleichen immer noch sehr den Pferden, die einst frei über die Steppe wanderten und sie sind immer noch auf die Nahrung angewiesen, die ihre Vorfahren fraßen: verschiedenste Wildgräser und Kräuter, viele Sorten die eher karg sind und wenig Energie haben und nur einige wenige fruktanreichere Gräser.
Was passiert nun also mit unseren Pferden, wenn wir sie mit Hochleistungsgräsern füttern?
Die meisten Pferdehalter wissen heute, dass Pferde übergewichtig werden und zu Hufrehe neigen, wenn sie zu viele Fruktane bekommen. Viele Pferde dürfen nur stundenweise auf die Weide und einige brauchen eine Fressbremse, damit sie einigermaßen gesund bleiben. Und doch sind viele Pferde nicht mehr als "einigermaßen gesund". Absolute Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden sind in der Welt unserer zivilisierten Pferde selten geworden.
Und viele Pferdehalter vergessen, dass die Fruktane nicht nur im frischen Gras sind, sondern auch im Heu und ganz besonders in der Heulage. Wenn wir wildlebende Pferde sehen, dann können wir beobachten, dass die Tiere im Winter sehr stark abmagern, so dass ihnen das frische, gehaltvolle Frühlingsgras gerade recht kommt. Bis zum Herbst haben sie sich dann ein ordentliches Polster angefressen, um über den Winter zu kommen. Unsere Pferde haben das ganze Jahr über "Frühlingsgras" in Form von Heu oder Heulage und viele sehen das ganze Jahr über so aus, wie Pferde eigentlich nur wenige Wochen im Herbst aussehen dürfen.....
ein erwachsenes Pferd wird in der Regel nichts fressen, was ihm nicht bekommt. Merlin hat den Rainfarn nicht angerührt. Aber was passiert, wenn wir den Tieren keine Wahl lassen? "Friss oder stirb" kann schnell auch zu "friss und stirb" werden...
Aber es kommt noch schlimmer. Was die allermeisten Pferdehalter nicht wissen ist, auf welchem Wege die Gräser so stark geworden sind. Viele Gräser leben in Gemeinschaft mit Pilzen, sogenannten Endophyten. Die Endophyten leben in Symbiose mit den Gräsern und helfen ihnen, mit den Gefahren des Graslebens klarzukommen.
Diese Endophyten haben auch die Aufgabe, das Gras vor dem Gefressenwerden zu schützen. Das tun sie, indem sie Gifte produzieren. Die Gifte werden immer dann produziert, wenn das Gras in Schwierigkeiten steckt. Sie sind schädlich für die Tiere die sie fressen. Das ist ganz normal und in einer artenreichen Wiese mit verschiedensten Gräsern, die nicht nah miteinander verwandt sind, sind es immer nur wenige Gräser, die gerade giftig sind und schlaue Tiere meiden diese Gräser (womit der Pilz sein Ziel erreicht hat, das Gras vor dem Gefressenwerden zu schützen)
Das Problem ist, dass unsere Zuchtgräser alle sehr nah miteinander verwandt sind. Dadurch geraten sie alle gleichzeitig unter Streß und produzieren alle gleichzeitig Gift. Die Tiere müssen aber fressen, was wir ihnen vorsetzen, auch wenn es giftig ist.
Die Gräser sind nicht so giftig, dass unsere Pferde davon sterben. Aber die Gifte werden aufgenommen und der Körper muss sich damit auseinandersetzen. Wenn das dauernd so ist, leidet die Gesundheit der Pferde. Dies äußert sich anfangs oft nur in Kleinigkeiten, ein leichter Juckreiz, Probleme mit Strahlpilz, ein leichter Husten, der ab und zu auftritt. Schlimmer sind Symptome wie Kotwasser oder Dinge die aussehen wie Mauke, Sommerekzem, oder Heustauballergie - häufig handelt es sich nicht um richtige Krankheiten, sondern um Vergiftungssymptome.
Noch später kann es zu Rehe und Leberschäden kommen und sogar bei Verschleißerscheinungen (Arthrose) spielen die Gifte eine Rolle.
Und wir Pferdebesitzer suchen nach allen möglichen Dingen, versuchen, alles zu tun für unsere Tiere und sind doch machtlos.
Die Futtermittelindustrie, die Saatgutkonzerne und die Landwirtschaft schweigen sich über das Thema weitgehend aus
Es gibt aber durchaus Hinweise, dass man sehr wohl bescheid weiß. In vielen Futtermitteln für Pferde sind Giftbindemittel enthalten (meist Bentonite). Sie finden sie besonders in Müsli- und Mineralfuttermischungen für Rehepferde, Ekzemer oder Pferde mit Kotwasser.
Der Erfolg solcher Futtermischungen ist sicher zu einem großen Teil auf die giftbindende Wirkung der Bentonite zurückzuführen. Die Gifte, die das Gras enthält, werden dadurch im Darm gebunden und wieder ausgeschieden, ohne in den Blutkreislauf zu gelangen. Das ist natürlich ein fauler Kompromiss: vorne füttert man giftiges Futter und hinten filtert man das Gift wieder raus. Dennoch ist es für viele von uns kurzfristig die einzige Möglichkeit, die Pferde gesund zu halten.
Kaufen Sie keine teuren Mischfutter,
Sie können die Giftbindemittel unter verschiedensten Namen bei
verschiedensten Firmen kaufen. Denken Sie daran, dass es
unterschiedliche Gifte gibt und daher manchmal unterschiedliche
Mittel helfen. Wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihr Pferd an
Vergiftungssymptomen leidet, können Sie ein solches Mittel für 8
Wochen füttern und sehen ob die Symptome nachlassen oder ganz
verschwinden. Wenn das so ist, wissen Sie, woran Sie sind.
Natürlich ist das allerwichtigste, dass wir das Problem bei der Wurzel packen. Wer immer die Möglichkeit hat, sollte auf seiner eigenen Weide heimische Gräser ansäen, die dem Standort angepasst und nicht überzüchtet sind. Diese Gräser sind nicht so schnell gestresst und sie sind nicht so nah miteinander verwandt, d.h. es werden - wie in der Natur - immer nur einzelne Gräser gestresst sein, niemals alle auf einmal.
ACHTUNG: einige Tierärzte behaupten, das Gift sei nur in großen Dosen gefährlich für Pferde. Das das nicht wahr ist, sehen wir an den vielen Pferden, die durch die Fütterung von Giftbindemitteln gesund wurden - lassen Sie sich nichts erzählen! Wann immer ein Giftbindemittel Symptome verschwinden lässt, liegt die Sache klar auf der Hand. Es müssen allerdings nicht immer Endophytengifte sein, es kann sich auch um Schimmelpilze oder Mutterkornvergiftungen handeln. Für uns gilt: Entgiften, Enttarnen, Entsorgen :-)) Probieren Sie herum, bis Sie die Ursache gefunden haben - Ihre Pferde werden es Ihnen danken!
Beim Thema gutes Gras und gutes Heu ist
die Frage nach der Pferdefütterung für uns im Wesentlichen zu Ende.
Gutes Gras enthält die nötige Artenvielfalt und die Energie darin
reicht im Freizeitbereich alle mal aus, damit unsere Pferde die
geforderte Leistung erbringen können. Selbst unser Senior (27jähriger Warmblutwallach, sehr schwerfuttrig) kommt gut klar, wenn er ein sehr gehaltvolles, möglichst früh gemähtes Heu ad libitum fressen darf (dieses Pferd darf ausnahmsweise Kuhgras haben :-))
Die Theorie, jedes Pferd brauche zwingend Mineralfutter, um gesund zu bleiben, kann ich aus meiner Erfahrung heraus nicht bestätigen. Dennoch muss man sich immer wieder mit dem Thema Mineralien auseinandersetzen (Blutbilder, Heuanalysen, eigene Beobachtungen.... ) damit die Pferde nicht ins Defizit geraten. Definitiv weiß man aber kaum etwas darüber, welche Mineralmengen bei wildlebenden Pferden im Futter und im Blut zu finden sind - wir hoffen dass die Forschung bald vorankommt...
Ich habe gehört, dass es in Australien üblich sei, die Mineralstoffe einzeln in Leckschalen zur freien Verfügung zu stellen. Das erscheint mir eine sehr sinnvolle Methode und ich werde versuchen mehr darüber herauszufinden.
Wenn Sie Probleme haben, Ihr Pferd zu dünn oder in irgendeiner Form ein Spezialfall ist, lassen Sie sich professionell beraten, ruhig auch von 2 oder 3 verschiedenen Experten.
Bevor Sie aber viel Geld ausgeben
sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass die Basis stimmen
muss. Gutes Gras und damit gutes Heu kann durch nichts ersetzt werden
(und eine gute Fütterungsberatung wird Ihnen das immer bestätigen!)
Zum Schluss noch eine wichtige Bitte:
Wir wollen möglichst viele Erfahrungswerte bzgl Giftbindemittel sammeln. Sollten Sie solche Futtermittel füttern und Symptome verschwinden, schicken Sie uns bitte eine kurze mail und schreiben uns was Sie gefüttert haben und wogegen es geholfen hat. Ihr Information kann sehr wertvoll sein für das nächste kranke Pferd! Danke!