Askan ist schon fast eine Art "Klassiker" unter den Hufschmied-Problem-Geschichten. 

Man findet eine völlig nervöse Besitzerin und ein (noch) ganz entspanntes Pony vor und fragt sich, was wohl schief gelaufen sein könnte. Ich habe dann die Vorderhufe bearbeitet (überhaupt kein Problem) und mich derweil schon etwas mit Askan angefreundet. Dann habe ich hinten begonnen. Askan gab die Hufe gut, war aber körperlich unentspannt und sprang mir alsbald aus der Hand. In einem Anflug von "Durchsetzen-Wollen" versuchte ich, meine Hand wenigstens an seinem Bein zu lassen. Askan wurde immer nervöser, drehte sich wie ein Brummkreisel und wollte nicht mehr mitmachen.

Kennen Sie das? Man weiß es irgendwie besser und macht es doch... so ging es mir an diesem Tag. Der arme Askan musste einige Brummkreiselrunden drehen bis ich kapierte, dass ich es mal wieder mit einem echten körperlichen Problem zu tun hatte. Askan hatte Blockaden und Verspannungen im Rücken (die wenige Tage später zum Glück osteopathisch behandelt wurden) und KONNTE das Bein nicht lange heben.
Nachdem wir etwas Ruhe in die Sache gebracht hatten, war es mir möglich, wieder Zugang zu ihm zu finden und seine Hinterhufe wenigstens provisorisch zu bearbeiten.
Beim nächsten Termin konnte er dank der osteopathischen Behandlung und der größeren Ruhe meinerseits ganz entspannt die Beine heben. Wenn er absetzen muss, darf er das, er macht dann gut mit. Zwischendurch musste ich das Bein wechseln, weil er sich sonst wieder verspannt, aber ich konnte meine Arbeit zu Ende machen.
Kleiner Tip am Rande: Solche Pferde zeigen ein typisches Bild. Sie ziehen das Bein nicht weg sondern machen einen kleinen Luftsprung und knallen förmlich auf den Boden. Häufig geben sie die Hufe gut und halten still, solange man sich selbst nicht bewegt. Will man aber auskratzen oder gar raspeln, springen sie weg. Wenn das der Fall ist, versuchen Sie nicht, das Bein festzuhalten.
Wenn eine Hufbearbeitung dringend nötig ist, haben Sie oft Erfolg damit, das Bein nach vorne auf den Hufbock zu stellen - das können diese Pferde in der Regel sehr gut und man kann wenigstens das Gröbste zurechtraspeln. Solche Pferde müssen unbedingt osteopathisch oder physiotherapeutisch untersucht werden! Manche dieser Pferde haben leider so viel Angst, dass an sie kaum ein Rankommen ist. Einer Stute konnten wir nur mittels Clickertraining helfen, weniger Angst zu haben. Die Angst ist schlimmer als das eigentliche körperliche Problem und man muss ihr große Beachtung schenken.

Hier die mail, die Askans Besitzerin mir nachher schrieb:

Hallo Lioba,

wir - damit meine ich Askan und mich - haben uns sehr gefreut, dass die
Hufpflege mit Dir sehr ruhig, harmonisch und stressfrei war.
Askan schien die Zusammenarbeit mit Dir zu genießen, man sah es :-)

Nach unserem Umzug hatten wir in der Vergangenheit mit zwei
unterschiedlichen Hufschmieden Probleme;
vorne wurde mit viel Stress und Unruhe auf Grund eines Hufsporns beschlagen
und hinten hieß es, dass seine Hinterhufe zu kurz sind und somit auch
beschlagen werden müssen.
Beim ersten Hufschmied hieß es Askan wäre respektlos und gefährlich, da er
nicht ruhig stand.
Daraufhin wurde mit Gewaltandrohung, Anschreien und Kräftemessen
weitergearbeitet, so dass
eine Endlosschleife des Verspannens entstand und Askan sich einfach nur
wehrte.
Er schlug nicht böswillig nach dem Hufschmied, aber er versuchte ihm
auszuweichen.
Es folgte die Nasenbremse und bei den Hinterhufen die Sedierung.
Ich habe so gelitten, dass ich am ganzen Körper zitterte anstatt mich für
mein Pferd stark zu machen
und die Prozedur rechtzeitig abzubrechen.
Peinlich aber wahr.

Askan lief übrigens vorher 9 Jahre barhuf ohne Probleme und so soll es auch
bleiben .

Danach hatten wir immer wieder Probleme mit dem neuen Hufschmied und auch
mir gab er erst nach Wochen wieder
mal besser mal schlechter die Hinterhufe.

Ich bin froh das ich den Weg zu Euch gesehen habe und freue mich auf weitere
Zusammenarbeit.